Peter Wawerzinek: „Das Kind das ich war“

Am Tag nach meiner gemeinsamen Lesung  mit Tarja Sohmer in Minden erstand ich im gerade unter neuer Inhaberschaft wieder eröffneten „Bücherwurm“ Peter Wawerzineks Erzählung „Das Kind das ich war“.

Am Abend zuvor kreisten die Fragen des Publikums nach der Lesung einmal mehr um die Frage nach Authenzität und Autobiografie.

„Das Kind das ich war“ ist Wawerzineks fünfte Veröffentlichung und stammt aus dem Jahr 1994. Im Klappentext wird die Erzählung als autobiografisch bezeichnet.

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Lesung Elke Barker, Debbie Lim und Eric Giebel am 28.01.2017

Debbie Lim: Beastly Eye

Am Samstag 28.01.2017 lesen unter dem Titel: Blickwechsel – Wechselblick drei Schreibende aus ihren Werken:

Elke Barker (Heidelberg) liest Kurzprosa, in deren Mittelpunkt menschliche Begegnungen stehen.
Debbie Lim (Sydney) reflektiert in ihrer Lyrik das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Existenz. Sie liest zum ersten Mal vor deutschem Publikum. Die ausgewählten Gedichte wurden speziell für diese Lesung gemeinsam mit der Autorin übersetzt und nach der englischen Originalversion in deutscher Sprache vorgetragen. 2012 erschien in der Vagabond Press, Sydney eine Auswahl ihrer Lyrik unter dem Titel Beastly Eye. Eine Leseprobe findet ihr hier.
Eric Giebel (Darmstadt) stellt einen Ausschnitt aus seiner Erzählung Im roten Sand vor.

Prinz-Emil-Schlösschen, Saal
Heidelberger Str. 56, 64285 Darmstadt
Beginn: 17:00 Uhr
Eintritt: frei, um Spenden wird gebeten

Wir freuen uns auf ein zahlreiches und neugieriges Publikum.

Artur Becker: „Kosmopolen. Essays“

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Das Kind Artur Bekier wurde 1968 im masurisch-ostpreußischen Bartoszyce geboren. Der Ort, zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes und auch noch heute, wohl bedingt durch die lange Phase des Friedens in Mittel- und Osteuropa, die wir zunächst als Nachkriegsordnung und dann zunehmend nach dem Jahr 1989 als Überwindung der Nationalstaaten im Sinne der Solidarität in der Europäischen Union erleben durften (die berechtigten Zweifel am Fortbestand bedingen das Präteritum!), liegt auf polnischem Staatsgebiet.

Rezension auf fixpoetry.

Dina Sikirić: „Was den Fluss bewegt“

Heil-Land wird kommen
Dina Sikirićs literarisches Debüt „Was den Fluss bewegt“

Die Erzählung der 1955 in Zagreb geborenen Autorin ist ein Werk von ergreifender Zartheit, dem gelingt, lange zurückliegende Kindheitserinnerungen lebendig werden zu lassen und die Zerrissenheit des Kindes zwischen Herkunftsland und Hinkunftsland in prägnante Sprache umzusetzen.

Das Herkunftsland heißt Jugoslawien, das Hinkunftsland ist die Schweiz. Die Gründe für den Weggang aus der Heimat sind weder Krieg, noch politische Verfolgung, noch wirtschaftliche Gründe.

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Ulrike Almut Sandig: „Buch gegen das Verschwinden“

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Die letzten Zirbelkiefern
Ulrike Almut Sandig schreibt gegen den Verlust

Landschaften verschwinden, Menschen verschwinden, Erinnerungen verschwinden. Die Erinnerung an die Menschen schwindet. Am Ende stehen wir nackt in einer Landschaft, die uns fremd und lebensfeindlich entgegentritt. Menschen, die uns nahestanden, Menschen, die wir nur kurz kannten: im Moment des Verschwindens sind wir durcheinander, reagieren unkontrolliert emotional, doch dann, nach einer Zeit spüren wir den Verlust und wollen ihn nicht wahr haben.

Gegen den Verlust setzt Sandig die Kraft des Erinnerns, die sie als Autorin und Erzählerin einsetzt, um in fein gesponnenen Geschichten jene Situationen aufzuzeigen, bei denen etwas vom Rand her unscharf wird, zu verschwimmen beginnt. Vielleicht sind diese Momente der Beginn des Verlusts.

Mit den Augen verfolgte ich das verschwommene Sonnenlicht über alle Wände bis zu seinem vollständigen Verschwinden.
[aus: Weit unter uns die flüssigen Felsen]

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Various Artists: „Sun and Moon“

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Schöne, handgedruckte Bücher aus Chennai, Indien von taraBooks

Inzwischen hat taraBooks einen festen Platz bei meinen Rundgängen über die Frankfurter Buchmesse. Und jeder Jahr bin ich begeistert von neuen Büchern.

Für Sun and Moon haben 10 Künstlerinnen und Künstler aus den Regionen Madhya Pradesh, Gujarat, Bihar, Rajasthan und Orissa in eindrücklichen grafischen Arbeiten Mythen und Erzählungen ihrer Regionen über Sonne und Mond festgehalten.

Jeffrey Yang: „Ein Aquarium“

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It’s not a Sea World
Jeffrey Yangs Tauchgang in „Ein Aquarium“

Ich erinnere mich, wie ich Anfang 2010 von der Schönheit des Scyphocrinus elegens, einer Seelilie, atemlos wurde. Das Fossil war ausgestellt in einer der ersten Vitrinen im Ozeaneum in Stralsund. Lange stand ich dort, mit offenem Mund, aus dem offen gebliebene Fragen herauskollerten. Die Welt unter Wasser habe ich nur aus einigen nicht geglückten Schnorchelgängen an der steinigen Küste Istriens als Kind erfahren. Noch heute kann ich mir die abgebrochenen Stacheln der Seeigel, Verwandte der Seelilien aus der Familie der Stachelhäuter, in meinen Fersen vergegenwärtigen. Ich hasste diese Dinger. Erst später, sehr viel später habe ich mich bei der Übersetzung von Moya Cannons Gedicht „Sea Urchins“ mit der faszinierenden Biologie dieser Tiere beschäftigt und lernte etwas über die Laterne des Aristoteles, dem innernen Kieferapparat der Seeigel.

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Udo Kawasser: „Unterm Faulbaum“

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Zu meiner Überraschung kommt mir mit Beginn dieser Besprechung das Wort semipermeable Membran in den Sinn. Es steht plötzlich vor mir und fragt mich, was die Erinnerung an diesen Fachausdruck mit dem vorliegenden Buch zu tun hat, das den Untertitel „Aufzeichnungen aus der Au“ trägt. Durchlässig zu werden, bedeutet es nicht, den Stoffaustausch von innen nach außen, von außen nach innen zu gewährleisten, ein Austausch, von dem der Organismus profitiert?

Rezension auf fixpoetry.

Klaus Merz: „Helios Transport“

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Rainer-Malkowski-Preis 2016 an Klaus Merz

Ich stelle mir vor, wie der griechische Sonnengott Helios mit seinem von vier Hengsten gezogenen Sonnenwagen durch die Lüfte schwebte und es auf den Punkt bringen wollte. „Diesen Punkt auch glühend zu machen, ist mein Anliegen“, sagte Helios, in Gestalt von Klaus Merz, „und auch meine Passion.“

Rezension auf fixpoetry

Rozalie Hirs: „Ein Tag | Een Dag“

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Buchmesse Frankfurt am Main 2016:
Gastland Flandern und die Niederlande

Bei der ersten von hochroth und vom gutleut verlag organisierten Lyrikbuchhandlung während der Frankfurter Buchmesse lernte ich am zweiten Abend Rozalie Hirs, Komponistin und Lyrikerin aus Amsterdam, kennen.

hochroth hatte bereits 2014 mit Ein Tag | Een Dag ihre Lyrik als bilinguale Auswahl von Gedichten aus verschiedenen niederländischen Bänden ins Deutsche gebracht.

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Eva Bourke und Vincent Woods (Hrsg.): „fermata. Writings inspired by Music“

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Die Zeit anzuhalten, in der Bewegung innezuhalten, dem Fluss des Lebens eine (Lese-)Pause zu verschaffen, dabei die Vielfältigkeit und -stimmigkeit der Musik erlebbar zu machen, das ist das Ziel der gerade bei Artisan House (Letterfrack, Connemarra) erschienenen Anthologie fermata, die zeitgenössiche irische Lyrik und Prosa versammelt.

Die Herausgeber der Anthologie, Eva Bourke und Vincent Woods, haben auf über 250 Seiten bedeutende irische Stimmen, etwa Nobelpreisträger Seamus Heaney, Eiléan Ní Chuilleanáin, Paula Meehan, Moya Cannon, Rita Ann Higgins, Vona Groarke, Theo Dorgan, Matthew Sweeney, Colm Tóibín, gesammelt und zu einem großen Orchester aufgestellt, ergänzt um den von Eva Bourke übersetzten deutschen Lyriker Jan Wagner.

Die Heraushebung der genannten Autorinnen und Autoren belegt nur meine immer noch unzureichende Kenntnis der irischen Literatur, denn es sind viele Namen mehr, die mit ihren Beiträgen das Orchester bereichern.

Und so sitze ich nun gespannt im Publikum und erwarte das Konzert. Ich werde es nicht auf einmal konsumieren, bewältigen können. Ich muss meine Ohren schulen, damit sie die Feinheiten heraushören. Daher werde ich nach Konzertschluss diese Anthologie eine Weile mit mir herumtragen, willkürlich die Partitur aufschlagen und versuchen, mir die Melodiefolgen einzuprägen.

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